Meine Südenphobie

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Ich war 22 als mir im Sommer 2008 alle den Buckel runterrutschen konnten. Und zwar mit ihren Ferienplänen. Alle wollten sie unbedingt in den Süden. Ich war als Einzige scharf darauf, in den Norden zu reisen. Also packte ich meinen Koffer und flog alleine nach Finnland. Ob es die richtige Entscheidung war, alleine Urlaub zu machen, weiss ich nicht. Aber das Reiseziel war auf jeden Fall die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Heute, zehn Jahre später, hat sich an meiner Einstellung nichts geändert. Ich mag Urlaube im Süden einfach nicht. Und ich kann auch nicht verstehen, warum alle unbedingt in die warmen Länder reisen müssen. Nur schon die Vorstellung von 36 Grad im Schatten treibt mir den Schweiss auf die Stirn. Das kühle Getränk auf dem Tisch bleibt gerade mal 7 Minuten kühl und das Eis am Stiel tropft unaufhaltsam auf die Hand. Möchte man das Feriendomizil verlassen, muss man sich ausgiebig mit Sonnencreme einschmieren. Logisch, dass man daran anschliessend den ganzen Tag erinnert wird. Weil sich die Haut so schön klebrig anfühlt. Und dann die Mücken, die dich von oben bis unten vollstechen, bis du aussiehst, als hättest du dir die Röteln eingefangen.

Der absolute Wahnsinn sind aber die Düfte. Nein, nicht der Duft nach Meer. Sondern der nach Hundehaufen, der an der brennenden Sonne vor sich hin brutzelt. Oder der faulige Geruch der Mülltonne, der beim kleinsten Wind herüberweht. Und dich sofort bereuen lässt, dass du dich über das bisschen Wind gefreut hast.

Nee, der Süden, der ist nichts für mich. Klar, es gibt dort auch schöne Orte  und Sehenswürdigkeiten. Trotzdem mag ich den Norden einfach lieber. Damit stosse ich immer wieder auf grosses Unverständnis. «Sei doch froh, dass es nicht mehr so kalt ist», sagen sie. Und: «Jetzt musst du keine Jacke mehr anziehen.» Leute, ob ihr es glaubt oder nicht: Ich MAG es, wenn es kalt ist. Und ich ziehe GERNE eine Jacke an.

Ein bisschen amüsieren kann ich mich im Sommer aber trotzdem. Und zwar dann, wenn genau diese Leute mit leidendem Gesichtsausdruck klagen: «Mensch, es ist aber auch heiss! Das ist ja unerträglich heute!»

Sag ich doch.

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