Mein Hund. Der Wahnsinn.

Hund

Mein Hund und der Wahnsinn liegen ziemlich nahe beieinander. Gemeinsam entspannt einen Nachmittag im Freien geniessen? Geht nicht.

Ich sitze am Schreibtisch und korrigiere einen Text. Also, ich versuche es. Aber mein Hund Lia – pardon, meine Hündin – zieht alle Register. Das volle Programm: Kopf schief legen, Ohren nach hinten knicken, Kulleraugen machen. Diese Nummer zieht immer.

Auch jetzt. Sie möchte nämlich unbedingt raus und in der Sonne rumliegen. Und was mache ich? Ich erfülle ihr diesen Wunsch. Weil sie ja so lieb gefragt hat. Man könnte bei ihrem Hundeblick glatt vergessen, dass sie der Teufel im Engelskostüm ist. Ergeben greife ich nach meinem Laptop und mache mich auf den Weg zum Gartensitzplatz. Lia japst und quietscht wie eine Badeente. Sie ist im siebten Himmel, schliesslich hat sie ihr Ziel erreicht.

Knappe 10 Minuten später sitze ich von der Hitze erschlagen unter dem Sonnenschirm und frage mich zum hundertsten Mal, warum ich keinen Pool habe, meine Hündin aber schon. Die liegt übrigens (noch) ganz entspannt im Schatten und wartet darauf, dass sich jemand mehr als 400 Meter unserem Gartensitzplatz nähert.

Das passiert genau 2 Minuten und 5 Sekunden später, als unser Nachbar den Müll rausbringt. Das ist Lias Einsatz: Sie schiesst hoch und sprintet los. Dabei legt sie einen Blitzstart hin, der sämtliche Formel-1-Piloten vor Neid erblassen lassen würde. Ich bleibe entspannt sitzen und lächle zufrieden vor mich hin. Sie ist ja angebunden. Das wird sie auch gleich merken, wenn die Leine spannt. Und die Leine spannt tatsächlich – um die Tischbeine herum. Es scheppert und mein Wasserglas, mein Laptop und mein Handy fliegen durch die Luft. Lia erschrickt so sehr, dass sie ganze 1,5 Sekunden keinen Ton rausbringt. Dann kommt sie erst so richtig in Fahrt. Während sie wütend den bösen Tisch anbellt und ich verzweifelt ihre Pfoten von den Glasscherben versuche fernzuhalten, lächelt mir mein Nachbar mitleidig zu und verzieht sich möglichst unauffällig.

Ich wische die Sauerei auf und halte Lia eine Standpauke, die sie nicht im Geringsten interessiert. Und obwohl das Katastrophenpotenzial rein statistisch gesehen für heute aufgebraucht ist, habe ich von Sonne und Action definitiv die Nase voll. Also binde ich Lia los und befehle ihr, zurück in die Wohnung zu gehen. „Ich hoffe, das ist dir eine Lehre! Wer sich nicht benehmen kann, der muss eben wieder rein“, weise ich sie zurecht und rede mir ein, dass sie das total schade findet und sich zukünftig besser benehmen wird.

Aber ich weiss jetzt schon, dass sich dieses Szenario beim nächsten Mal wiederholen wird. Und ich weiss auch, dass mich dieses Wissen trotzdem nicht davon abhalten wird, immer und immer wieder auf den Blick mit den Kulleraugen reinzufallen. Vielleicht bin ich auch etwas wahnsinnig.

 

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