Cucciolo – das kleine Dreirad mit Charme

Piaggio Ape

Offiziell nennt man das Dreirad, das alle Blicke auf sich zieht, Piaggio Ape (Ape = Biene). Stefan hat seinem Campingfahrzeug aber längst den Namen Cucciolo (ital. für Welpe) verliehen. Wo der kleine Cucciolo mit seinem Stefan – oder auch umgekehrt – schon überall war, erfahrt ihr in dieser Camperstory. Stefan hat mir nämlich Rede und Antwort gestanden und erzählt, wie es ist, mit dem „Mini-Wohnmobil“ unterwegs zu sein …

Der grosse Auftritt des Kleinen

Die Ape ist weder gross, noch ist sie besonders schnell unterwegs. Und müsste sie gegen ihre grossen Offroader-Kollegen antreten, würde sie wohl spätestens beim Allradtest den Kürzeren ziehen.

Piaggio Ape innenDas alles spielt aber überhaupt keine Rolle. Denn wenn die Ape etwas hat, dann ist es Charme. Und mit diesem Charme erstickt sie sämtliche Ansprüche, die Camper an ihr mobiles Zuhause haben könnten, sofort im Keim. Wenn die kleine Biene auf ihren drei Rädern vorfährt, ist der Effekt gross. Die Erwachsenen lachen und heben den Daumen hoch, während die Kleinen winken und sich tierisch freuen. Ein so schmuckes, kleines Wägelchen sieht man schliesslich nicht alle Tage. Das denken sich wohl auch die Autofahrer, die hinter der Biene hertuckern müssen – wie kann man dem blauen Flitzer schon böse sein, wenn auf der Rückseite Sticker mit den Sprüchen „Dieser Stau wird Ihnen von Piaggio präsentiert“ und „Auch Kleine haben grosse Wünsche“ kleben und einem automatisch ein Grinsen ins Gesicht zaubern? In solchen Momenten geniesst der Cucciolo wohl tatsächlich „Welpenschutz“.

Piaggio Ape BauphaseDie Wohnkabine für seine Piaggio Ape hat Stefan selber gebaut – als gelernter techn. Modellbauer mit zehnjähriger Erfahrung im Bootsbau ist ihm das nicht besonders schwer gefallen. Der einzige Knackpunkt war das Gewicht, schliesslich sollte der Aufbau möglichst leicht sein. Das ist ihm gelungen: Die Kabine wiegt gut 300 kg.

Die Biene geniesst ihren grossen Auftritt aber nicht nur auf den Campingplätzen. Denn die Wohnkabine kann auf einen Absetzwagen geschoben und an ihrer Stelle ein Pizzaofen auf die Ladefläche gestellt werden. Und schon ist der Cucciolo gemeinsam mit Stefan, dessen Bruder und zwei Kollegen auf Geburtstagspartys, Hochzeiten und Firmenanlässen unterwegs. Die fahrenden Pizza-Bäcker sind zwar nur einige Male pro Jahr im Einsatz – dann jedoch mit viel Freude, Elan und guter Laune.

Die Biene hat ein Rad ab

Piaggio ApeDas schmucke Dreirad ist schon über viele Strassen gebrettert. Sei es Italien, Belgien, Deutschland oder Holland … die schmalen Reifen bringen Stefan und seine Frau überall hin. Beim Check-in auf den Campingplätzen gibt es immer wieder Diskussionen darüber, welcher Tarif denn nun bezahlt werden muss. Die Biene lässt sich so schnell nirgendwo einordnen – sie ist eben aussergewöhnlich. „Wenn jemand den Wohnmobil-Tarif verrechnen möchte, entgegne ich, dass es sich um ein Doppelzelt auf drei Rädern mit Stromanschluss handelt. Oder ich sage, dass ich leider nicht so vermögend bin … es habe nicht einmal für ein viertes Rad gereicht.“

StefanIm Campingurlaub ist es Stefan wichtig, dass er Zeit hat, um Städte, Dörfer und Museen zu besuchen. Auch den täglichen Marktbesuch geniesst er gemeinsam mit seiner Frau in vollen Zügen. Dort finden sie oft ihren Tagesbedarf an Frischwaren, den sie anschliessend in einer Kühlbox mit Kühlelementen aufbewahren. Ab und zu wird auch im Restaurant gegessen – ein guter Wein aus der Gegend darf dabei natürlich nicht fehlen.

Wer mit der Piaggio Ape unterwegs ist, stellt sich auf limitierte Tagesetappen ein und weiss, dass alles etwas langsamer und gemütlicher vonstatten geht. Man nimmt die Tage ganz einfach so, wie sie eben kommen. Oder, wie Stefan so schön sagt: „Man muss wohl tatsächlich ein Rad abhaben, wenn man ein solches Hobby betreibt. Hauptsache ist, dass es Spass und Freude macht!“


Cucciolo-Steckbrief

Maximale Geschwindigkeit: Bergauf fahre ich gemütliche 10–15 km/h, bergab rasante 80 km/h und geradeaus bei Windstille 60 km/h. Ich verfüge über stolze 10 PS und halte dem Gegewind auch mit meinem Camperaufbau tapfer stand.

Maximale Distanz, die an einem Tag zurückgelegt werden kann: Für 100 km benötige ich im Schnitt 3 Stunden. Nach maximal 200 km habe ich jeweils eine Pause verdient. Und meine Besitzer auch.

Verbrauch: Mein Tank umfasst 15 Liter (der separate Öltank nimmt das Zweitaktöl auf und mischt 2 % davon dem Treibstoff bei). Mit der Wohnkabine beladen verbrauche ich 9.6 Liter/100 km und komme somit etwa 150 km weit. Und wenn ich etwas zu durstig unterwegs bin, steht ein 5-Liter-Reservekanister bereit.

Stauplatz: Ihr glaubt gar nicht, was in so einem kleinen Wägelchen alles Platz hat! 3 Boxen mit Kleidern, Gestänge und Vor- oder Sonnendach befinden sich im Alkovenbereich. Der Proviant ist unter der rechten und die Küchenutensilien sind unter der linken Sitzbank verstaut. Unter der Ladebrücke dienen zwei 20-Liter-Kanister als Stauraum – hier findet man das Boardwerkzeug und weiteres Campingzubehör.

Kochmöglichkeiten: Ich besitze ein Gasrechaud und einen Gasbrenner. Ihr wisst ja: Die Campingküche schmeckt besser als das 5-Sterne-Restaurant! Weniger ist schliesslich mehr.

Das werde ich nie vergessen: Als ich von Florenz nach San Marino unterwegs war, hat uns ein Erdrutsch die Strasse versperrt. Wir mussten auf den Notweg ausweichen. Das war super! 200 m lang nur loses Geröll und steil abfallendes Terrain. Mein Frauchen stand oben auf der Strasse und hat gebetet, während mein Herrchen weiche Knie bekommen hat. Ich weiss gar nicht, wieso die sich so angestellt haben. Ich habe diese Herausforderung schliesslich mit links gemeistert!


3-Rad Piaggio Power

Der 22-jährige Verein mit Sitz in der Zentralschweiz bringt die Piaggio-Ape-Fans zusammen. Die Mitglieder können hier Gleichgesinnte treffen, sich bei der Beschaffung von Fahrzeugteilen helfen und ganz einfach das Zusammensein bei diversen Anlässen und gemeinsamen Ausfahrten geniessen. Nach elf erfolgreichen Jahren hat Stefan das Präsidialamt nun an Valentin weitergegeben – ein würdiger und innovativer Nachfolger. Seit 10 Jahren berichten die Dreirad-Besitzer auf ihrer Website von ihren Aktivitäten. Ihr wollt noch mehr über den Verein erfahren und euch Fotos von den knuffigen Dreirädern ansehen? Dann müsst ihr unbedingt die Website besuchen!

 

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